Von Room zu Zoom: Erfahrungen von Online-Bürger*innen-Räten in Schottland und Adur & Worthing

Democratic Society ist offizieller Partner des Zukunftsrates Demokratie und unterstützt uns mit Expertise aus der Organisation zahlreicher europaweiter Beteiligungs- und Demokratieprojekte. Hier berichtet Daniela Amann, Network und Delivery Manager bei Democratic Society, von den Erfahrungen mit Online-Bürger*innen-Räten.

Wie viele andere waren auch wir bei Democratic Society im letzten Jahr mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert. Das letzte Jahr hat uns aber auch viele Lernmöglichkeiten geboten, insbesondere im Hinblick darauf, was im Rahmen von Online-Beteiligung möglich ist und wie Lösungen für einige der neuen Herausforderungen aussehen können.

Screenshot vom offiziellen Youtube-Video Our Vision and Recommendations vom Citizens’ Assembly of Scotland

Erfahrungen von drei Online-Bürger*innen-Räten

Im letzten Jahr waren wir für die Gestaltung, Organisation und Abhaltung von drei Online-Bürger*innen-Räten zuständig. Mitten im Prozess des Bürger*innen-Rats zur Zukunft von Schottland wurden die ersten Fälle von Covid-19 in Europa gemeldet, gefolgt von Beschränkungen, die die geplante Abhaltung von physischen Veranstaltungen unmöglich machten. Zwei weitere Bürger*innen-Räte – die Klima-BürgerInnenräte in Schottland und Adur & Worthing – hielten wir von Anfang bis Ende virtuell ab.

Ein Online-Bürger*innen-Rat war eine neue Erfahrung für uns. Anstatt langsam das Eintrudeln von den Mitgliedern zu beobachten, werden sie von dem IT-Team aus der virtuellen Lobby in den Hauptraum eingelassen. Man sieht nur die Köpfe der Mitglieder, im Hintergrund Wohnzimmer, Schlafzimmer, und weiße Wände. Auch wenn zu Beginn alle Mikrophone auf stumm geschalten sind, reicht schon das versehentliche Klicken auf einen falschen Knopf und es ertönt ein seltsames Hintergrundgeräusch. Für die Moderator*innen besteht in einem solchen Online-Setting die Schwierigkeit besonders darin, dass sie die Befindlichkeiten der Teilnehmenden nicht aus der gesamten Körpersprache, sondern lediglich aus der Gesichtsmimik parallel aufscheinender Porträts erkennen müssen. Und auch die Mitglieder des Bürger*innen-Rats sind mit neuen Herausforderungen konfrontiert, die es in einem offline Prozess nicht gegeben hätte.

Individuelle Tech-Trainings, Ruheräume und Mikrogruppen

Im Rahmen der Online-Bürger*innen-Räte und anderer Projekte haben wir viele wertvolle Erfahrungen sammeln können, wie auch online die Voraussetzungen für Lernen, Austausch und Begegenung geschaffen werden kann. Eine unserer Lessons Learned ist, dass individuelle Tech-Trainings nützlich sind, um Teilnehmer*innen auf einen Online-Prozess vorzubereiten. Auch während der Veranstaltung sollte ein kompetenes IT-Team im Hintergrund die Teilnehmer*innen und Moderator*innen bei technischen Problemen unterstützen. Bei Bürger*innen-Räten arbeiten wir auch immer öfter mit einem „Ruheraum“, einem parallel eingerichteten Raum in dem die Mitglieder des Bürger*innen-Rats jederzeit emotional unterstützt werden, Geschehnisse verarbeiten oder besprechen können.

In dem Klima-Bürger*innen-Rat in Adur & Worthing haben wir zusätzlich mit „Mikrogruppen“ gearbeitet. Diese Kleingruppen von etwa fünf Personen werden von eine*r Moderator*in angeleitet und sind dazu da, das Vertrauen der Mitglieder aufzubauen und sie dabei zu unterstützen, ihre Rolle zu verstehen und wahrzunehmen. Die Mikrogruppen sind ein informeller Raum, in dem sich die Menschen unterhalten können und eine Verbindung zueinander aufbauen können. Unsere Erfahrung zeigt, dass diese Gruppen sehr nützlich sein können, um später im Prozess einen Meinungsaustausch zu ermöglichen und eine gute Gruppenerfahrung zu schaffen. 

Es ist uns bewusst, dass die Digitalisierung auch nach dem Ende der Covid-19 Pandemie eine größere Rolle spielen wird als zuvor. Aber was bedeutet das für öffentliche Beteiligung und partizipative Demokratie? Democratic Society ist sehr daran interessiert zusammen mit anderen Organisationen hierrüber nachzudenken und gemeinsam an neuen Lösungen zu arbeiten.

Zusammen mit der australischen NGO newDemocracy Foundation haben wir den Bericht: Designing an online public deliberation erstellt, in dem wir einige Gedanken und Vorschläge zu online Betileigungsverfahren teilen. Der Bericht kann auf unserem Blog heruntergeladen werden.

Democratic Society arbeitet mit dem Team vom Zukunftsrat zusammen und unterstützt die Initiative mit internationalen Erfahrungen.

Daniela Amann, Network und Delivery Manager bei Democratic Society

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